Die Türen von Funchal

Madeira Galerie 243

Wer durch die Altstadt von Funchal schlendert, bleibt unweigerlich vor irgendeiner Tür stehen. Nicht weil sie den Weg versperrt, sondern weil sie zu schön ist, um einfach weiterzugehen. Bemalte Holztüren, üppig bepflanzte Portale, künstlerisch gestaltete Eingänge in allen erdenklichen Farben: Was heute Touristen aus aller Welt fotografieren, begann als ein kleines Stadtprojekt ohne große Ambitionen.

Woher stammt diese Tradition?

Die Geschichte der Funchal Doors, wie Reisende sie inzwischen nennen, reicht offiziell ins Jahr 2010 zurück. Die Stadtverwaltung suchte nach Wegen, leerstehende Gebäude und vernachlässigte Fassaden im historischen Zentrum aufzuwerten. Statt teurer Sanierungen entschied man sich für einen einfacheren Ansatz: Lokale Künstler, Handwerker und Anwohner wurden eingeladen, Haustüren individuell zu gestalten. Was damals mit einer Handvoll Türen begann, wuchs über die Jahre zu einem stadtweiten Phänomen.

Doch wer tiefer gräbt, merkt schnell, dass die Liebe zu prachtvollen Türen auf Madeira deutlich älter ist. Schon im 18. und 19. Jahrhundert schmückten wohlhabende Kaufleute und portugiesische Kolonialherren ihre Stadtpalais mit aufwendigen Portalen aus Basaltstein und bearbeitetem Holz. Die Türen signalisierten damals Wohlstand und Ansehen. Eine schlichte Tür war einer angesehenen Familie schlicht nicht würdig.

Kunst zwischen Tradition und Gegenwart

Heute treffen in Funchal beide Welten aufeinander. Auf der einen Seite die alten Herrenhäuser in der Rua do Bispo oder rund um den Largo do Município mit ihren konservativ eleganten Portalen. Auf der anderen die neueren Kunsttüren, die manchmal provozieren, manchmal rühren und manchmal einfach nur staunen lassen.

Besonders bekannt ist die Rua de Santa Maria im alten Fischerviertel Zona Velha. Die Straße war jahrelang heruntergewirtschaftet, Geschäfte schlossen, Gebäude verfielen. Das Kunstprojekt Arte das Portas Abertas, also die Kunst der offenen Türen, hat die Gasse buchstäblich wiederbelebt. Heute säumen rund 200 gestaltete Türen die schmale Straße. Jede erzählt etwas anderes: madeirensische Meereswelten, Portraits alter Fischer, abstrakte Farbexplosionen, historische Szenen aus dem Leben auf der Insel.

Die beteiligten Künstler kamen anfangs fast ausschließlich aus Madeira selbst. Inzwischen reisen Kreative aus dem portugiesischen Festland und sogar aus dem Ausland an, um einen Teil dieser Straße zu gestalten. Manche Türen verschwinden nach ein paar Jahren, weil die Gebäude renoviert werden oder ein neuer Eigentümer andere Vorstellungen hat. Andere sind längst zu Wahrzeichen geworden, die Besucher gezielt suchen.

Was steckt dahinter?

So ein Projekt funktioniert nur, wenn die Bewohner mitmachen. Genau das ist in der Zona Velha passiert. Hauseigentümer stellten ihre Türen zur Verfügung, Cafés und kleine Läden profitierten vom wachsenden Interesse, die Straße gewann wieder Leben. Das klingt nach einem Werbemärchen, war aber tatsächlich ein langsamer, manchmal zäher Prozess. Nicht jeder war begeistert, nicht jede Tür wurde sofort akzeptiert.

Funchal zeigt damit, wie Städte mit einfachen Mitteln Identität stiften können. Kein spektakuläres Museum, kein teures Kulturzentrum. Nur eine Tür nach der anderen, bis aus einer Straße ein Freilichtmuseum wurde, das niemand betreten, aber jeder erleben kann.

Wer Funchal besucht, sollte sich Zeit lassen für die Zona Velha. Am besten morgens, wenn noch wenig los ist und das Licht die Farben weich zeichnet. Eine Karte braucht man nicht. Man folgt einfach den Türen.

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