Madeira war leer, als die Portugiesen kamen. Keine Ureinwohner, keine Dörfer. Nur Mäuse gab es schon, und die verraten mehr, als man denkt. Diese Chronik führt durch sechs Jahrhunderte Inselgeschichte, mit den wichtigsten Jahreszahlen und den Geschichten dahinter. Wer es ausführlicher mag, findet die Zusammenhänge in unserem Artikel Madeira Geschichte: Von Heinrich dem Seefahrer bis zur Autonomie.
Inhatsübersicht
Vor den Portugiesen
- 903 bis 1036: Aus dieser Zeit stammen Knochen von Hausmäusen, die Forscher an der Ponta de São Lourenço gefunden haben. Mäuse schwimmen nicht über den Atlantik, also muss vorher ein Schiff angelegt haben. Das Erbgut der heutigen Inselmäuse ähnelt Populationen in Skandinavien und Norddeutschland. Ob Wikinger auf Madeira waren, ist damit nicht bewiesen, aber eine ernsthafte Hypothese.
- ab 1339: Inseln in der Lage Madeiras tauchen auf europäischen Seekarten auf. Dass Phönizier oder Römer hier waren, wird oft behauptet, Belege dafür gibt es nicht.
Entdeckung und Besiedlung im 15. Jahrhundert
- 1418: Ein Sturm treibt João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira, Kapitäne im Dienst Heinrichs des Seefahrers, nach Porto Santo.
- 1419 oder 1420: Zusammen mit Bartolomeu Perestrelo erreichen sie die Hauptinsel und nennen sie nach ihrem dichten Wald Madeira, Holz.
- um 1425: Auf Anordnung der Krone beginnt die planmäßige Besiedlung, vor allem mit Familien aus der Algarve. Angebaut wird zunächst Weizen.
- 1440 bis 1450: Das Archipel wird in drei Kapitanate geteilt: Machico (Teixeira), Porto Santo (Perestrelo) und Funchal (Zarco).
- um 1450: Zuckerrohr verdrängt das Getreide. Für die Arbeit auf Feldern und in Mühlen werden Berber, Guanchen von den Kanaren und später versklavte Menschen aus Westafrika auf die Insel gebracht.
- 1478: Christoph Kolumbus kommt im Auftrag genuesischer Händler als Zuckereinkäufer nach Madeira. Kurz darauf heiratet er Filipa Moniz, die Tochter Perestrelos, und lebt einige Jahre auf Porto Santo und Madeira.
- um 1500: Höhepunkt des Zuckerbooms. Madeira gehört zu den wichtigsten Zuckerlieferanten Europas, viel davon geht nach Antwerpen.
16. und 17. Jahrhundert: Zuckerkrise, Piraten, Spanier
- 1508: Funchal erhält Stadtrecht.
- 1514: Funchal wird Bischofssitz.
- ab etwa 1520: Der Zucker verliert an Boden. Brasilien und São Tomé produzieren billiger und mehr, auf Madeira fehlt es an Holz, die Böden sind erschöpft. Wein gewinnt an Bedeutung.
- 1566: Französische Korsaren unter Bertrand de Montluc überfallen Funchal und plündern die Stadt 16 Tage lang. Montluc stirbt an einer Verwundung. Die Hilfsflotte aus Lissabon kommt erst an, als die Angreifer längst abgesegelt sind, und plündert dann nach zeitgenössischen Berichten selbst kräftig mit.
- 1580: Philipp II. von Spanien wird auch König von Portugal. Die Personalunion dauert 60 Jahre, Portugal behält dabei formal eigene Gesetze und Institutionen.
- ab Anfang des 17. Jahrhunderts: Über Funchal entsteht zum Schutz vor Piraten die Festung São João Baptista do Pico. Ein erster Bauabschnitt ist 1632 fertig. Heute bietet sie einen der besten Blicke über die Stadt.
- 1640: Aufstand in Lissabon, Portugal wird wieder eigenständig. Spanien erkennt das erst 1668 im Vertrag von Lissabon an. England unterstützt Portugal und lässt sich das mit Handelsvorteilen bezahlen.
- 1663: Ein englisches Gesetz, der Staple Act, erlaubt es, Madeirawein direkt in die englischen Kolonien in Amerika zu verschiffen. Für die meisten anderen europäischen Waren gilt der Umweg über England. Das macht den Wein in Nordamerika populär.
18. und 19. Jahrhundert: Wein, Briten, Katastrophen
- 1703: Der Methuenvertrag zwischen England und Portugal senkt die Zölle auf portugiesischen Wein in England. Ein englisches Monopol auf den Madeirawein entsteht dadurch nicht, britische Händler beherrschen den Export aber faktisch. Häuser wie das von Francis Newton (ab 1745) prägen das Geschäft.
- 1755: Das große Erdbeben von Lissabon ist auch auf Madeira zu spüren, Flutwellen treffen die Küste.
- 1801 bis 1802: Britische Truppen besetzen Madeira zum ersten Mal, offiziell zum Schutz vor Frankreich.
- 1803: Eine verheerende Flut (aluvião) verwüstet Funchal. Obdachlose Familien werden in der Festung do Pico untergebracht.
- 1807 bis 1814: Zweite britische Besetzung unter General Beresford, sie endet im Oktober 1814.
- 1815: Das Schiff, das Napoleon nach St. Helena bringt, ankert vor Funchal.
- 1835 bis 1855: Nach dem Einbruch des Weinexports wandern schätzungsweise 40.000 Madeirenser aus.
- 1852: Der Mehltaupilz Oidium vernichtet einen großen Teil der Weinernte. Die Produktion fällt von etwa 50.000 Hektolitern auf wenige Hundert.
- 1860/61: Kaiserin Elisabeth von Österreich überwintert in Funchal. Madeira wird zum Kurort für Europas Oberschicht.
- 1872: Die Reblaus erreicht die Insel und zerstört die Weinberge ein zweites Mal. Neu gepflanzt wird auf amerikanischen Unterlagen.
20. Jahrhundert: Krieg, Diktatur, Autonomie
- 3. Dezember 1916: Das deutsche U-Boot U 38 versenkt im Hafen von Funchal drei alliierte Schiffe und beschießt die Stadt. Dutzende Menschen sterben, darunter Hafenarbeiter. Am 16. Dezember kehrt das U-Boot zurück.
- 12. Dezember 1917: Zwei deutsche U-Boote beschießen Funchal erneut, diesmal etwa eine halbe Stunde lang.
- 1921/1922: Der abgesetzte Kaiser Karl I. von Österreich wird nach Madeira verbannt. Er stirbt am 1. April 1922 in Monte und liegt in der dortigen Kirche begraben.
- 1931: Unruhen wegen eines Mehlmonopols, danach ein Militäraufstand gegen die Regierung in Lissabon. Beides wird niedergeschlagen.
- 1933: Salazar setzt die Verfassung des Estado Novo durch. Portugal bleibt bis 1974 eine Diktatur.
- 1964: Der Flughafen Santa Catarina auf Madeira geht in Betrieb. Porto Santo hat seinen Flughafen schon seit 1960. Ab jetzt wächst der Tourismus deutlich.
- 25. April 1974: Die Nelkenrevolution beendet die Diktatur.
- 2. April 1976: Die neue Verfassung macht Madeira zur autonomen Region. Am 27. Juni 1976 wird das erste Regionalparlament gewählt. Der 2. April ist heute Feiertag.
- 1978 bis 2015: Alberto João Jardim ist Präsident der Regionalregierung, 37 Jahre lang.
- 1. Januar 1986: Portugal tritt der Europäischen Gemeinschaft bei. Mit EU-Geld entstehen in den folgenden Jahrzehnten Schnellstraßen und Tunnel quer durch die Insel.
21. Jahrhundert
- 2000: Die verlängerte Landebahn des Flughafens wird eröffnet, ein Teil davon steht auf Stelzen über dem Meer.
- 20. Februar 2010: Extreme Regenfälle lösen Sturzfluten und Erdrutsche aus. 47 Menschen sterben, vier bleiben vermisst. Die Schäden werden auf über eine Milliarde Euro geschätzt.
- 2017: Der Flughafen wird nach Cristiano Ronaldo benannt, der in Funchal geboren wurde.
- 2026: Madeira feiert 50 Jahre Autonomie.
Spuren dieser Geschichte findet man auf der Insel an vielen Stellen, von der Zarcostatue in Funchal bis zum Kaisergrab in Monte. Was vom Zuckerboom geblieben ist, zeigen wir in unserem Beitrag über Zucker auf Madeira.






